Hotelhistorie

Als die „Alte Schule“ noch die „Neue Schule“ war …

historie1lm Mai 1951 wurde der Grundstein für die neue Schule gelegt. ln der Denkschrift zur Grundsteinlegung der dreiklassigen Volksschule in Minsen wird erwähnt, dass die Gemeinde als idealen Bauplatz den ,,Hassiham“ von Kaufmann Eibo Dieken für 10.000 DM erworben hat. Die Baukosten wurden mit 160.000 DM veranschlagt.

Am 3. Mai 1952 wurde die neue Schule eingeweiht. Zunächst hatten sich Eltern, Lehrer, Schüler und Gäste vor der alten Schule versammelt, um von der Bildungsstätte Abschied zu nehmen, in der über hundert Jahre unterrichtet worden war.

Nachdem Heinrich Dirks als Vertreter der älteren Schülergeneration und Hauptlehrer Lehmkuhl Abschiedsworte gesprochen hatten, ging man gemeinsam zur neuen Schule.

historie2Hier angekommen, führten Schulkinder symbolisch ein kleines Spiel auf, ,,das den bösen Geist für alle Zeit aus der Schule fernhalten und den guten Geist festhalten sollte.“ Schulleiter Lehmkuhl begrüßte die Gäste aus Politik, Vertreter der Schulbehörde, die Lehrerschaft aus dem nördlichen Wangerland, sowie Bauunternehmer, Bauleute und den Architekten Vesser. Dieser übergab den Schlüssel an Bürgermeister Garlichs. Der Bürgermeister schilderte in seiner Ansprache die Verhältnisse, die dazu geführt hatten, dass der Wunsch der Elternschaft nach einer neuen Schule durch den Entschluss der Gemeindevertretung Wirklichkeit geworden sei. Allen Beteiligten am Bau sprach er seinen Dank für die schnelle Fertigstellung aus. Er meinte, dass durch diesen Neubau ein für alle Mal für diesen Schulbezirk sämtliche Schulsorgen beendet seien.

Nach der Übergabe des Hausschlüssels in die Hände des Schulleiters Lehmkuhl fand im großen Versammlungssaal, der von zwei, nur durch eine große Schiebetür getrennte Klassenräume gebildet wurde, eine Einweihungsfeier statt. Eine Kaffeetafel für die Gäste in der Schule und eine Kakaotafel für die Schüler bei Scherf in Minsen beendeten die Feierlichkeiten.

Die neue Schule hatte im Obergeschoss im östlichen Teil zwei Lehrerwohnungen, eine große für den Schulleiter und eine kleinere für einen Junglehrer. In der Mitte war ein großer Raum, der als Werk- und Turnraum genutzt wurde. lm westlichen Teil lag die Hausmeisterwohnung.

Die eigentlichen Schulräume im Erdgeschoss bestanden aus drei großen Klassenräumen, einem kleineren Lehrerzimmer, einem langen Flur mit Garderobe. In einer großen Eingangshalle hingen Vitrinen, in denen Schülerarbeiten ausgestellt waren, aber auch Anschauungsmaterial der heimischen Flora und Fauna. Außerdem befanden sich im Erdgeschoss die Toiletten und ein Waschraum mit Duschen.

lm Keller waren die Heizung, die damals zunächst noch mit Koks betrieben wurde, Kokskeller, Lagerraum und Waschküche.

historie3Zur Schule gehörte ein großer Pausenhof, und daran anschließend lag der Sportplatz. Am Rande des Pausenhofs stand ein überdachter Fahrradschuppen und auf der Rückseite waren Stallungen für das Kleinvieh der Lehrer.
Neben der Schule hatten die Lehrer auch ein Stück Land, das sie bearbeiteten.

Zwanzig Jahre nach der Erbauung der Schule wurde sie im Jahre 1973 geschlossen.

Die Gebietsreform mit der Gründung der Großgemeinde Wangerland brachte es mit sich, dass die Schule in Minsen nicht mehr gebraucht wurde.

Die Schüler der ersten vier Klassen fuhren nun mit dem Bus nach Horumersiel, die Schüler der oberen Klassen brachte der Bus nach Hohenkirchen.

Das Schulgebäude stand zehn Jahre leer. Die Zerstörungswut unbekannter Rowdies hatte schon Spuren hinterlassen, als im Frühjahr 1981 die Arbeiterwohlfahrt das Haus als Erholungsheim erwarb.

Textauszug aus „Minsen – een Karkdörp up Klei un ümto“ der Geschichtswerkstatt Wangerland e.V.